Goosky RS7 legend

Mit dem Goosky RS7 Legend stieg Goosky Innovation eindrucksvoll in die Königsklasse der 700er-Elektrohelikopter ein. Nachdem sich der Hersteller vor allem mit hochpräzisen Microhelis in der Szene etabliert hatte, waren die Erwartungen an den ersten ausgewachsenen 3D-Boliden entsprechend hoch. In diesem Praxisbericht beleuchte ich die mechanischen Konstruktionsmerkmale des Baukastens, gebe wertvolle Tipps für den Zusammenbau und schildere meine Flugerfahrungen vom zahmen Low-RPM-Rundflug bis zum dynamischen Kunstflug.

Goosky RS7 Legend auf dem Flugfeld
Kompakt, aufgeräumt und extrem verwindungssteif: Der Goosky RS7 Legend auf dem Flugplatz.

Der Baukasten & Erste Eindrücke

Der Heli wird in einem stabilen, strukturierten Karton ausgeliefert. Das Verpackungskonzept überzeugt ab der ersten Minute: Vier durchnummerierte Innenkartons trennen die Baugruppen logisch voneinander. Jede Kleinteiletüte ist mit der Seitennummer der durchgehend farbigen Bauanleitung beschriftet, was langes Suchen beim Zusammenbau überflüssig macht.

Dem Kit liegen nützliche Verbrauchsmaterialien bei: Schraubensicherung in zwei Stärken (blau und grün), Sekundenkleber, Lagerfett sowie gummierte Klettbänder mit stabilen Metallösen. In der Kit-Version mit Rotorblättern sind hochwertige 700 mm Azure-Carbonblätter und farblich abgestimmte Heckblätter enthalten.

Rotorkopf: Steife Aufhängung mit cleveren Detaillösungen

Der Aufbau beginnt mit dem Rotorkopf, an dem Goosky einige bemerkenswerte Detaillösungen realisiert hat:

  • 15-mm-Hauptrotorwelle: Die massive Hohlwelle bietet enorme Torsionssteifigkeit. Das Zentralstück wird durch zwei M3-Klemmschrauben spielfrei auf der Welle gefasst und zusätzlich mit einer M5-Durchgangsschraube formschlüssig gesichert.
  • Pendelnde Blattlagerwelle in POM-Buchse: Die 10 mm Blattlagerwelle wird im Zentralstück in einer präzise gefertigten POM-Führungsbuchse wie ein Pendel geführt.
  • Steife O-Ring-Dämpfung: Insgesamt sechs 90°-Shore-O-Ringe (drei je Seite) stützen die Welle ab und werden außen von POM-Ringen gehalten. Das sorgt für ein extrem präzises, direktes Steuergefühl ohne Eigenleben.
  • Integrierte Pitchskala: Auf dem Rotorkopf-Zentralstück ist eine Lasergravur mit einer Skala für ±13° Pitch angebracht. Damit lassen sich die Maximalausschläge bereits auf der Werkbank schnell optisch prüfen.
  • Hochwertige Lagerung: Die rot eloxierten Blatthalterarme sind mit jeweils zwei M3-Schrauben montiert. Die Kugellager der Blatthalter sind ab Werk mit 2RS-Gummidichtungen versehen.

Tipp aus der Werkstatt: Die Lager in den Blatthaltern sind ab Werk bereits verklebt und gefettet. Wer die Drucklager vor dem Erstflug mit speziellem Hochleistungsfett nachbehandeln möchte, sollte die Blatthalter mit einem Heißluftfön vorsichtig erwärmen, um die Verklebung der äußeren Rillenkugellager schonend zu lösen.

Rotorkopf des Goosky RS7 mit Pitchskala und POM-Zentralführung
Präzise Fertigung: Rotorkopf mit eingeprägter Pitchskala und pendelnder Blattlagerwellenführung.

Chassis & Antriebszelle: Hochsteifer Verbundaufbau

Das Hauptchassis besteht aus vier soliden Kohlefaserplatten (oben 2,2 mm, unten 1,9 mm Materialstärke) mit sauber gefasten Kanten. In Kombination mit den aufwendig gefrästen Aluminium-Trägern entsteht eine extrem verwindungssteife Zelle.

Zentraler Lagerbock mit Rotordom und Riemenumlenkrollen
Der zentrale Aluminium-Träger: Dreifache Lagerung der 15-mm-Hauptrotorwelle und integrierte Riemenumlenkrollen.

Konstruktions-Highlights im Chassis:

  • Dreifache Rotorwellenlagerung: Der zentrale Rotordom und der untere Lagerbock stützen die 15-mm-Welle dreifach ab. Hinweis: Die untere Lagerplatte erst nach dem Einschieben der Welle final anziehen, um Verspannungen zu vermeiden.
  • Schrägverzahntes Getriebe: Das 107-Zahn-Hauptzahnrad läuft in Verbindung mit dem 11-Zahn-Motorritzel im Untersetzungsverhältnis 1:9,727 (optional 12Z für 1:8,9). Ein robuster Freilauf ist zwischen zwei Aluflanschen verschraubt.
  • Motor-Gegenlager: Das Motorritzel wird über ein zweifach gelagertes Gegenlager abgestützt, was Durchbiegungen der Motorwelle bei Lastspitzen wirksam verhindert.
  • Praktische Kabelführung: Unter der Reglerplatte befindet sich eine Aluminium-Klemme, die die Motorkabel scheuersicher und sauber nach vorne leitet.
  • Hängender Akkueinschub: Der 12S-Akkupack wird auf einer CFK-Schiene fixiert und von vorne hängend eingeschoben, wo er über einen federbelasteten Bolzen einrastet.

Hinweis zur Akkuverriegelung: Vor der Montage der unteren Querverbinder sollte die Bohrung für den Rastbolzen geprüft werden. Sollte der Stift klemmen, genügt es, die Öffnung mit einer feinen Rundfeile um 1–2 Zehntelmillimeter nachzuarbeiten, damit die Verriegelung absolut leichtgängig einrastet.

Chassis mit Motor und Getriebeeinheit
Aufgeräumter Aufbau: Motor mit Gegenlager, schrägverzahntes Hauptgetriebe und steife CFK-Seitenplatten.

Heckrotor & Riemenantrieb: Konsequent überdimensioniert

Besondere Aufmerksamkeit verdient die Konstruktion der Heckeinheit:

  • Strebenloses 34-mm-Heckrohr: Das voluminöse Aluminiumrohr benötigt keine abstützenden Heckstreben, was für eine cleane, moderne Optik sorgt.
  • Einreihiges 3D-CNC-Heckgehäuse: Das Gehäuse ist komplett aus einem Aluminiumblock gefräst und nimmt das Heckriemenrad spielfrei auf.
  • 8-mm-Hohlwelle: Statt der in dieser Klasse üblichen 6-mm-Vollwellen spendiert Goosky dem RS7 eine extrem biegesteife 8-mm-Hohlwelle.
  • Außenliegende Drucklager: Die Drucklager sitzen außen in den Blatthaltern. Der kugelgelagerte Hecksteuerhebel läuft dank präziser Messingscheiben spielfrei und leicht.
CNC-gefrästes Heckrotorgehäuse des Goosky RS7
Solide Technik: 3D-CNC-Heckgehäuse aus dem Vollen mit robuster 8-mm-Heckrotorwelle.

Kabinenhaube & Akkuhandling

Die GFK-Kabinenhaube wiegt lediglich 113 Gramm und besticht durch ein sauberes Finish. An der Unterseite halten zwei Neodym-Magnete die Haube formschlüssig zusammen. Besonders alltagstauglich: Durch die großzügige Frontöffnung kann die Akkuschiene entriegelt und gewechselt werden, ohne die Haube vor jedem Flug komplett abnehmen zu müssen.

Fertig montierte Mechanik vor dem Elektronikeinbau
Bereit für die Elektronik: Fertig gestellte Mechanik mit hängender Akkuschienenführung.

Elektronik-Setup: Upgrade auf Rotorflight Nexus-X & FrSky TW-Mini

Während der ursprüngliche Testaufbau für das Magazin mit einem Spirit-2-System geflogen wurde, ist der RS7 Legend mittlerweile auf den Rotorflight Nexus-X Flight Controller in Verbindung mit einem ultrakompakten FrSky TW-Mini Empfänger umgerüstet. Als Entwickler der Rotorflight Lua Suite profitiert der 700er damit unmittelbar von den modernsten Features des offenen FBL-Systems:

  • High-End-Regelung mit Rotorflight 2: Auf der leistungsfähigen STM32G4-Plattform des Nexus-X sorgen adaptive dynamische Notch-Filter und moderne PID-Regelkreise für absolute Schwingungsfreiheit und messerscharfe Steuerung.
  • Einstellung am Platz via Fernsteuerung: Alle Tuning-Parameter (PIDs, Raten, Filter, Heck-Dynamik) lassen sich ohne Laptop direkt auf dem Display des Senders (FrSky X18RS) in der Rotorflight Lua Suite konfigurieren.
  • TWIN-Dualband & FBUS: Der kompakte FrSky TW-Mini sendet und empfängt gleichzeitig auf zwei 2,4-GHz-Frequenzen. Über ein einziges Servokabel (FBUS) werden Steuerbefehle mit minimaler Latenz an den Nexus-X übertragen und Telemetriedaten zurück zum Sender geleitet.

Flugerfahrungen & Praxistest

Auf dem Flugfeld zeigt der RS7 Legend unmittelbar seine Stärken: Der Heli liegt vom ersten Moment an extrem satt in der Luft. Selbst bei frischem Wind steht das Modell wie angenagelt im Schwebeflug.

In dynamischen Figuren zieht der RS7 Rollenketten wie an der Schnur gezogen durch den Himmel. Dank der steifen POM-Pendelführung im Rotorkopf bleibt das gefürchtete Aufbäumen bei High-Speed-Überflügen komplett aus. Bei harten Stops oder Tic-Tocs rastet die Mechanik ohne jedes Nachwippen exakt auf den Punkt ein. Die 8-mm-Heckwelle sorgt auch bei voll durchgerissenem Kollektivpitch für unerschütterliche Heckautorität.

Breites Drehzahlspektrum:

  • 1.400–1.600 U/min (Low RPM): Flüsterleiser, eleganter Kunstflug mit Flugzeiten von über 7 bis 8 Minuten.
  • 1.800–1.900 U/min (Allround): Der perfekte Arbeitsbereich für dynamischen Kunstflug und großräumigen F3C-Stil.
  • 2.100–2.200 U/min (Hard 3D): Kompromisslose Power mit brachialen Steigraten und messerscharfem Einrasten.

Technische Daten & Komponenten

Parameter Ausführung / Messwert
Rotordurchmesser 1.578 mm (mit 700 mm Blättern)
Hauptrotorblätter Azure 700 mm Carbon
Hauptrotorwelle 15 mm Hohlwelle (dreifach gelagert, M5 gesichert)
Blattlagerwelle 10 mm in pendelnder POM-Buchse
Heckrotorwelle 8 mm Hohlwelle im 3D-CNC-Gehäuse
Heckrohr 34 mm Aluminium (strebenlos)
Hauptzahnrad / Untersetzung 107 Zähne schrägverzahnt / 1:9,727 (11Z Ritzel)
Motor / Regler JDHMBD H700 530 KV / Kontronik HeliJive 120+ HV
Servos (TS / Heck) 3× Savöx SB-2271SG / 1× GDW BLS995
Flybarless-System Rotorflight Nexus-X (vormals Spirit 2)
Empfangsanlage FrSky TW-Mini (TWIN 2,4 GHz via FBUS)
Antriebsakku 12S LiPo 5.000 mAh (Akkuschiene)
Abfluggewicht ca. 5.000 g (ca. 3.550 g ohne Akku)
Drehzahlbereich 1.400 bis 2.200 U/min

Fazit

Der Goosky RS7 Legend überzeugt als durchdachter 700er-Elektrohelikopter mit hoher Fertigungsqualität und konsequent überdimensionierten Baugruppen: Die 15-mm-Hauptrotorwelle mit POM-Gleitlagerung, das strebenlose 34-mm-Heckrohr mit 8-mm-Heckwelle und das robuste Motor-Gegenlager sorgen für höchste Betriebssicherheit. In Verbindung mit dem modernen Rotorflight Nexus-X und dem FrSky TW-Mini begeistert das Modell durch messerscharfe Präzision, exzellentes Stop-Verhalten, komfortables Platz-Tuning und ein enorm breites Drehzahlspektrum – vom leisen Feierabend-Cruisen bis zum kompromisslosen 3D-Sportflug.